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Replikationskrise in der Psychologie


Heut möchte ich über etwas schreiben, was meiner Meinung nach viel mehr Beachtung bräuchte! Ich rede von der Replikationskrise, die derzeit in der Psychologie grassiert – das Bedeutet, dass wissenschaftlich veröffentliche Befunde so nicht repliziert werden können. Das wirft für mich die Frage auf, welche Befunde sind wirkliche Befunde und welche sind aufgrund von fehlerhafter Anwendung von Auswertungsmethoden und / oder das selektive Berichten von einzelnen signifikanten Befunden so dermaßen verzerrt, dass die Wirklichkeit vielleicht ganz anders aussieht.

Ich habe letztens einen wirklich sehr interessanten Vortrag von unserem derzeitigen Chef (Elternzeitvertretung) zu genau diesem Thema gehört, der für mich echt ein bisschen eye-opening war, da er viel entlarvt hat und vor allen Dingen Möglichkeiten aufgezeigt hat, wie man mit diesen Problemen statistisch und methodisch vorgehen kann um zukünftige Forschung maximal transparent zu machen. Und das sollte der Anspruch sein!

Wissenschaft

Zuerst wurden Befunde des Reproducibility Project: Psychology vorgestellt, und es ist schon erschreckend wenn man bedenkt, dass die in den Originalpapers angegebenen Effektstärken in keiner Weise repliziert werden konnten, vor allen Dingen nicht mit Stichproben von über 3400 Versuchspersonen. Teilweise werden aufgrund von Befunden, die aus Studien mit 12! Versuchspersonen bestehen, Entscheidungen getroffen, so, dass in Florida Gelder bereitgestellt werden damit Kinder unter 5 Jahren jeden Tag 30 Minuten lang Mozart hören – um den räumlichen IQ zu erhöhen. Das heisst es wurden Staatsgelder ausgegeben für etwas, was sich im Nachhinein leider nicht halten ließ.

Und was mich dann an dieser Stelle besonders ärgert ist, dass ich mir als nächstes die Frage stelle, wie es dann wohl mit den Studien in der Medizin ist. Welche Befunde sind da nicht wirklich Abbildung der “Wirklichkeit”. Wenn in einem Projekt 47 von 53 wichtigen Studien nicht repliziert werden konnten ist das schon eine Aussage! Besonders zu dem Thema Forschung zu Chemotherapie mach ich mir da Sorgen, wenn ich ehrlich bin, denn es gibt durchaus Befunde, die ganz klar den Nutzen der Chemotherapie in Frage stellen bzw. eher dessen schädliches Potential untersuchen. Einfach mal googlen, da findet man dann einiges.

Auf der anderen Seite hat man so wenigstens ne neue Argumentationsgrundlage bei Diskussionen. Wenn wieder behauptet wird, dass bestimmte Therapien oder Ansichten nicht wissenschaftlich belegt sind, kann man wenigstens aufzeigen, welche angeblich wissenschaftlich fundierten Befunde  nicht haltbar waren und zurückgezogen werden mussten. Somit ist es kein unbedingtes Qualitätskriterium, wenn etwas wissenschaftlich pupliziert ist…In diesem Sinne, einen schönen Montag noch!


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